Installation, Skulptur

Jakob Steiger

 

INSTALLATION/SKULPTUR

Texte:

"Kluft" 2015

180cm x 67cm x 67cm (Glasspiegel, Siebdruck, Metall)

 

Die Kunst der Moderne hat in ihrer Radikalität der Abstraktion den Weg geebnet, für ein geschichtsloses, nur noch auf sich selbst verweisendes Loch. In dieses Loch blickt der Betrachter, wenn er sich der Arbeit „Kluft“ nähert. Zwei gegenüber liegende Spiegel, auf denen mit Siebdruck die Ausdrücke „nicht mehr“ und „noch nicht“ zu lesen sind, bilden einen illusionären Abgrund und stellen gleichzeitig die elementarste Dimension des Kunstwerks dar, ja die Dimension des Daseins selbst.

Sie spiegeln die Leere zwischen Altem und Neuem, Vergangenheit und Zukunft. Diese Leere stellt den Riss dar, in dem wir in einer unablässig sich entziehenden Gegenwart vorwärts gezogen werden, und überführt die Unentschiedenheit in den Raum der Potentialität. Die Basis und der Grund aller Verortung im Kunstwerk soll hier in sich kollabieren als Schwebezustand, undefinierte Mitte und Raum des reinen Bezugs.

 

„Topos“ 2015

ca. 180cm x 180cm x 160cm (Glas, Fotodruck, Metall)

 

Die Installation besteht aus 8 Glasplatten (auf einer Metallkonstruktion), welche zunächst einen Raum der Leere symbolisieren sollen: Glas als farbloses Material, das ganz zum Medium werden kann, zur Projektionsfläche von Spiegelungen und Lichtbrechungen. Die Eigenschaft des Glases als Zwischenraum wird durch die Formen der Platten wiederholt.

Es handelt sich um die Ausschnittformen des Alphabets, also jene Formen, die von der Schrift ein und ausgeschlossen werden.

Die Architektur der Buchstaben wird hier folglich als ein Negativ wiederholt.

Diese Formen des Zwischenraums und der Leere wurden zu Bildträgern für Fotodrucke. Auf den Gläsern kann der Betrachter Stadtansichten um den Ausstellungsraum herum erkennen. Die Arbeit ist folglich speziell für die Sparkasse Günzburg konzipiert worden.

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Als Grundbausteine unseres Bildverständnisses verflechten sich Text und Bild. Jedes Bild ist durchzogen von einem Text, wird besetzt mit einem Text, den der Betrachter in das Bild hineinlegt (z.B. Kirchturm, Parkuhr etc.). Auch Bilder werden gelesen.

Die Textualität unserer Bildbetrachtung soll in der Arbeit „Topos“ thematisiert werden und gleichzeitig einem Loslassen anheim gegeben werden, welches die Konstellation aus Gesehenem und dessen Deutung zum Schwingen bringt.

Die Frage nach der Verortung wird hier durch das Pendeln zwischen Aussicht und Draufsicht und der Verschränkung zwischen virtuellem Raum und Realraum, Text und Bild eröffnet.

Das Thema der Fotografie als Ort ohne Inhalt wird hier zusätzlich aufgegriffen.

Was die Spiegelflächen in der Arbeit „Kluft“ als utopischen Ort durch reine Projektion des Außens vorgeben, wiederholt sich in den Fotografien auf den Glasformen als Illusion von Zeit und Raum - Auswurf eines Apparates.

"Dios Kouroi", 2017 


Bedruckte Plane auf zwei Holzquadern à 280 cm x 120 cm x 300 cm

 


Zur Jahresausstellung werden die zwei Reiterskulpturen Castor und Pollux am Eingang der Kunstakademie München ihrer Funktion als Türsteher enthoben. An Stelle der beiden Reiter sollen zwei mit bedruckter Plane bespannte Quader ein neues Portal zur Kunstakademie schaffen. Die Plane ist mit farbigen Flächen gestaltet, die ihren Ursprung in der Google-Bildsuche haben. So lange Google Bilder noch nicht geladen hat, werden lediglich bunte Farbflächen angezeigt. Das Warten auf das Bild ist hierbei die Grundfläche, auf die zwei Schriftzüge angebracht werden:


1. „Ich bin das sich an mir Zeigende“ als Verweis der Kunst auf das Phänomen. Jedes Kunstwerk ist als ein Sich-Zeigendes in eine Gegenwart des Erscheinens eingebunden.


2. „Ich bin nicht für diese Welt“ als Verweis des Kunstwerkes auf eine kommende Zukunft.

Die Kunst muss sich immer einen Spielraum und damit eine Öffnung auf eine unbestimmte Zukunft hin bewahren, wodurch ihre eigene Bestimmung stets in der Schwebe gehalten wird. 


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